Autodidakt des Soul
Als Plan B mischt das Londoner Bleichgesicht Ben Drew die Popwelt auf

2006 kam diese in Gang, mit dem Debütalbum "Who Needs
Actions When You Got Words". Plan B, wie Ben Drew sich als
Musiker nennt, überraschte die Kritiker der Insel mit
schnell gerappten Gossengeschichten über Drogen,
minderjährigen Sex und Jugendgewalt. Der Clou war jedoch,
dass er seinen Sprechgesang zur rhythmisch geschlagenen
akustischen Gitarre vortrug. Die Briten, immer interessiert an
neuen Ausdrucksformen des Pop, an kantigen Stars und originellen
Geschichten im Straßendialekt, überschütteten Drew
mit Lob. Das Debüt des Nobodys erreichte Platz 30 der Charts
- immerhin.
Als Ben sechs Jahre alt war, verließ sein Vater, ein
Punkmusiker, die Familie. Die Familie, das sind Bens Mutter und
Schwester. "Ich bin mehrmals von der Schule geflogen und
schließlich auf eine Schule für Schüler gegangen,
die niemand sonst mehr will. Das war die positivste Erfahrung
meines Lebens. Dort gab es Lehrer, die sich um mich
bemühten, die mir viel Unterstützung gaben." Die
Geschichte der gelungenen Integration eines Außenseiters
beginnt mit kreativem Unterricht, mit dem Ausprobieren
verschiedener Produktionsformen für Popmusik.
Drews musikalische Entwicklungsgeschichte ist dabei so unsortiert
wie seine Vorbilder. "Erst war es Michael Jackson, dann Kurt
Cobain. Später wurde ich zum Fan von Bands wie Radiohead,
Prodigy oder Blur." An die Schule schloss Ben auf Rat der
Familie ein College für Film und Media-Produktion an. Weil
seine Mutter und Schwester sagten, dass er sein Leben nicht
wegwerfen solle und weil Drew schon längst der Meinung war:
"Musik ist wie Filmen, nur ohne Bilder." Drews neues
Album ist in der Tat wie ein Film, der zunächst ohne Bilder
auskommt, zu dem jedoch Bilder nachgereicht werden. Es gibt eine
Reihe von Videos zum Album, die eine fortlaufende Geschichte
forterzählen. Ein richtiger Film ist in Vorbereitung.
Bei der Kunstfigur Strickland Banks, um den es auf dem
gleichnamigen Konzeptalbum geht, handelt es sich um einen sehr
talentierten Popstar der übelsten Sorte: arrogant,
rücksichtslos und ausbeuterisch. Irgendwann wird Banks eines
Verbrechens beschuldigt, kommt ins Gefängnis und arbeitet da
an seiner Läuterung. "Strickland Banks ist so, wie ich
geworden wäre, wenn Plan A funktioniert hätte",
charakterisiert Ben Drew sein Alter Ego aus der Pop-Oper.
"Plan A sah vor, dass ich sehr jung schnell berühmt
werde. Das ist nicht passiert. Mittlerweile bin ich als
Persönlichkeit gereift, sehe viele Dinge anders."
Strickland Banks ist ein Sänger der Gegenwart, der jedoch
"besessen von den Sixties ist", lüftet Drew das
Geheimnis um den "alten" Sound seines neuen Albums.
Kluger Nebeneffekt der Erfindung des Retro-Sängers: Ben Drew
darf die Gitarre zur Seite legen, sich die Raps aufsparen und ein
sehr griffiges, geschmackvolles Soulalbum mit viel
Ohrwurm-Potenzial unter die Leute bringen. "The Defamation
Of Strickland Banks" erinnert in Melodie und Sound an
Soulklassiker wie Marvin Gayes "What's Going On".
Ein äußerst liebvoll geschriebenes und produziertes
Retro-Soulalbum, wie es alle zehn, zwanzig Jahre mal exakt den
Geschmack der Masse trifft. Man denke nur an Simply Reds
"Picture Book" von 1985 mit Hits wie "Money's
Too Tight To Mention" oder "Holding Back The
Years".
Besonders erstaunlich am Strickland-Banks-Projekt ist allerdings,
dass Ben Drew anders als Retrostar-Vorgänger Mick Hucknall
niemals zuvor die Geschichte des Soul und anderer schwarzer Musik
studiert hatte. "Keiner bei uns zu Hause hat je Soul
gehört", gesteht Stimmwunder Ben Drew. "Das war
die Herausforderung, was den Stil dieses Albums angeht. Man kann
es aber auch so sehen - im Grunde habe ich mit Soul begonnen. Nur
ich und meine Gitarre, mehr Soul geht nicht. Und irgendwann hat
der Soul mich dann förmlich gezwungen, von mir gespielt zu
werden."













