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Mittelerde - Schatten des KriegesHeller Herrscher, dunkler Herrscher - Hauptsache, alle knechten!

Einen Ring der Macht schmieden, Ork-Hauptmänner telepathisch unterjochen, Mordor plündern und ein gewaltiges Heer aufstellen, um damit Tolkiens Fantasy-Reich Mittelerde vor der drohenden Herrschaft Saurons retten. Das ist - in aller Kürze - die Hauptaufgabe in "Mittelerde - Schatten des Krieges", der Fortsetzung des 2014er-Überraschungshits "Mordors Schatten". Der Weg dahin? Fordernd, packend, mitunter irritierend und manchmal auch frustrierend.

Wieder dreht sich in diesem Action-Abenteuer, das zeitlich zwischen "Der Hobbit" und "Herr der Ringe" angesiedelt ist, alles um den menschlichen Helden Talion und den Geist des Elbenschmieds Celebrimbor, der einst die Ringe der Macht hergestellt hat - den "einen, sie zu knechten" inklusive.

"Schatten des Krieges" besteht aus einer Vielzahl von Spielelementen. Die wichtigsten: In den fünf weitläufig angelegten Gebieten Mordors so viele Orks wie möglich erledigen, jede Menge Nebenmissionen abarbeiten und die Gedanken von angeschlagenen Widersachern per Magie anzapfen, um ihnen Informationen über ihre Feldherren zu entlocken.

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Die sind besonders gefährlich: Nicht bezwungene, verschmähte oder nur verletzte Ork-Häuptlinge starten eine eigene Karriere in Saurons Diensten - und können sich nach mehreren Spielstunden zu Erzfeinden des Spielers entwickeln, nebst eigener Festung und tobendem Gefolge im Rücken. "Nemesis" nennt Warner dieses System, das nach einem ellenlangen Prolog in Kraft tritt und nun deutlich reizvoller und ausgeklügelter ist als noch im Vorgänger. Denn die Boss-Orks zeigen nun jede Menge Charakter, sind nachtragend und haben individuelle Stärken sowie Schwächen, die bei ihrer Bekämpfung helfen können. Ist ein Kommandant zum Beispiel anfällig für Gift-Attacken, sollte man seine Waffen entsprechend präparieren. Noch besser ist es allerdings, wenn man die von Warzen und Pusteln übersäten Ekelpakete davon überzeugen kann, sich Talion eigenem Feldzug anzuschließen und an seiner Seite gegen "das Auge" auszurücken.

Elementar wird der Beistand der Orks in den zum Schluss der Kampagne tobenden "Schattenkriegen" und bei diversen Burg-Eroberungen: Dann sieht sich Held Talion mit einer dermaßen großen Übermacht konfrontiert, dass er selbst auf Maximal-Level mit all seinen mächtigen Fähigkeiten nahezu chancenlos ist. Einfacher wird's, wenn man in der Kampagne fleißig orkische Verbündete geworben hat.

Die einzige Alternative: Im Online-Shop des Spiels viele "Loot"- oder "Beute"-Boxen kaufen, die mit etwas Glück schlagkräftige Verbündete enthalten. Günstig ist der monströse Support aus dem Internet-Store aber nicht: Für eine digitale "Wundertüte" - gefüllt mit legendären Kriegern und Ausrüstungsgegenständen - sind 600 Goldstücke fällig. Die kratzt man entweder in vier bis fünf Spielstunden zusammen oder legt dafür rund sechs echte Euro hin. Auf Spieler-Seite hat das an die Mikro-Transaktionen von Free-to-Play-Games angelehnte System bereits für reichlich Unmut gesorgt - aber tatsächlich ist der Shop-Besuch nicht erforderlich, um den "Schatten des Krieges" wieder zu vertreiben.

Doch unabhängig davon, auf welche Weise der Spieler seine eigenen Reihen verstärkt, bleiben die Scharmützel gegen Orks, Warge, Trolle und andere Monster-Brocken teils frustrierend schwer. Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad ist die Befreiung Mittelerdes alles andere als ein Spaziergang. Der Grund: Entwickler Monolith bemüht abermals ein auf Reaktionsschnelligkeit gebürstetes Kampfsystem, bei dem im richtigen Moment vorgegebene Tasten gedrückt werden müssen, um feindliche Angriffe zu blocken oder ihnen mit vernichtenden Kontern zu begegnen.

Das sieht zwar fantastisch aus und sorgt für mitunter filmreife Duelle, wird aber gerade bei größeren Feindansammlungen unübersichtlich bis chaotisch. Außerdem wird das an sich interessante "Nemesis"-Feature arg überstrapaziert: Zeitweise tummeln sich auf dem Schlachtfeld gefühlt mehr Ork-Hauptmänner als reguläre Truppen - langatmig inszenierte Selbstdarstellungen im Akkord sind die Folge.

Über die kniffligen Scharmützel und die teils kurios gestalteten Ork-Chefs lässt sich diskutieren. Beim sehr freizügigem Umgang mit der Tolkien-Vorlage sehen Fans schon eher rot. Schade außerdem, dass Monolith sein Spiel derart mit Extra-Features und ergänzenden Spielmechanismen überladen hat, dass es manchmal zur spaßfreien Ochsentour gerät. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Nur wer sich mit diesen Defiziten und dem strittigen Loot-Box-System arrangieren kann, bekommt großes Action-Kino - mit gewaltigem Umfang, famoser Inszenierung, diesmal auch abwechslungsreichen Landschaften und ein paar prominenten Gastauftritten. Allerdings sollte er hinter "Schatten des Krieges" kein Rollenspiel erwarten: Trotz typischer Mechanismen wie steigerbarer Fähigkeiten und Erfahrungspunkte ist auch der neue Ausflug nach Mittelerde vor allem eins - ein brachiales Echtzeit-Gekloppe mit gelegentlichen Schleichgängen und Drachenflügen.

Robert Bannert

Game
SpielnameMittelerde - Schatten des Krieges
HerstellerWarner
VertriebWarner
Erhältlich ab09.10.2017
Bewertung Gesamtgut

Erhältlich für:
PlayStation, Xbox, PC / Mac

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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